DIÖZESANVERBAND BERLIN

Erzählen von Gewalt-Erfahrungen und Beten als Widerstand

 Als „Lob der Klage“ bezeichnete Anne Borucki-Voß  das Anliegen des ökumenischen Gottesdienstes. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hatte ein Team von Frauen zum Erzählen von Gewalt-Erfahrungen und zum Beten eingeladen. In der katholischen Kirche St. Michael in Berlin-Kreuzberg waren sie mit Bischof Christian Stäblein und Erzbischof Heiner Koch als Gäste zusammengekommen.

            Der 25. November sei ein schwerer Tag für Frauen, sagte Borucki-Voß, da Gewalt gegen Frauen noch immer eine bittere Realität sei. Für den schleichenden Übergang von Vertrauen zur Gewalt fanden die Frauen im Ersten Testament ein Beispiel: die Geschichte von Tamar. Dieser Text von sexualisierter Gewalt und Vertuschung wurde in Abschnitten mit langen Pausen wirkungsvoll verlesen – wie ein Beispiel aus unseren Tagen.

            „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Gott“ und „In dunkler Nacht woll´n wir ziehen“ umrahmten als Gemeindegesänge die Erzählung. Zeitgenössische Psalmen-Gebete vertieften das Gehörte und ließen Gänsehaut-Gefühle aufkommen. Einleitend sprach die Vorbeterin: „Befreie mich, Gott! Wasser sind gestiegen – bis an meine Kehle. Müde bin ich von meinem Rufen, heiser mein Hals.“ Zum Schluss sprachen alle: „So erbarme dich Gott, du Ewige, mit Jesus Christus in der Heiligen Geistkraft, heute und alle Tage bis in deine Ewigkeit.“

            Offene Fragen an Gott und Menschen folgten der Zerschlagung eines Kruges vor dem Altar: Gott, wo warst du, als Demütigung mein Herz zerbrach? Wie kann es sein, dass glaubende Menschen anderen solche Gewalt antun und den Zugang zu Gott zerstören? Wie umgehen mit der Verzweiflung, dass Menschen meines Vertrauens zu meiner Erniedrigung zusammengearbeitet haben? - In Stille wurden von den 40 Teilnehmenden Kerzen am Altar für eigene Anliegen und Fragen entzündet.

            Das Schlusslied bündelte alle Anliegen. Im Text von Susanne Brandt heißt es: „Mit allen meinen Fragen steh ich, mein Gott, vor dir. Die Stimmen vieler Menschen sind ruhelos in mir. Was sage ich dazu? Worauf kann jeder hoffen? Was helfen wird, bleibt offen. Doch mittendrin bist du.“

            Vorbereitet wurde der Gottesdienst von Frauen der AKD (Amt für kirchliche Dienste), der kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) und dem Ökumenischen Frauenzentrum Evas Arche: Anne Borucki-Voß, Gundula Lembke, Magdalena Möbius, Angelika Piniek, Angelika Plümpe, Raya Preiss. Die musikalische Leitung hatte Maja Leschke.

Walter Plümpe, 25.11.2021    

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