DIÖZESANVERBAND BERLIN

Krippenandacht

Maria Regina Martyrum, Charlottenburg-Nord,

6. Januar 2020

Während des 75. Deutschen Katholikentages 1952 in Berlin rief Bischof Wilhelm Weskamm zum Bau einer Gedenkkirche für die Märtyrer aus der Zeit des Nationalsozialismus auf. Beim 78. Deutschen Katholikentag 1958, wieder in Berlin, gelobte man, „Maria Regina Martyrum“ zu bauen. Nach einer Kollekte in allen deutschen Bistümern legte Julius Kardinal Döpfner am 12. November 1960 den Grundstein zum Bau der Kirche im Norden Berlins, in der Nähe der Hinrichtungsstätte Plötzensee, die vielen Gegnern des Nationalsozialismus den Tod brachte.

Am 5. Mai 1963 weihte Bischof Alfred Bengsch Kirche und Gemeindezentrum ein. Einen Tag zuvor wurde die Urne des 1934 auf Befehl des Leiters des Geheimen Staatspolizeiamtes Reinhard Heydrich erschossenen Erich Klausener vom Tempelhofer St.-Matthias-Friedhof überführt.

Diesen geschichtsträchtigen Ort haben die kfd-Frauen für ihre alljährliche Krippenandacht ausgesucht. Im großen modernen Rund finden wir eine Krippe, die nicht den üblichen Vorstellungen entspricht. Zum Kind in der Krippe pilgern, gemäß den Intentionen der Kirche Maria Regina Martyrum, nicht Hirten und die Heiligen Drei Könige, sondern Menschen, die sich dem Nationalsozialismus entgegengestellt und dabei oft sogar ihr Leben verloren haben.

Zur Krippe geht Eva-Maria Buch (1921 – 1943), eine junge Frau, die sich der Roten Kapelle anschließt, verhaftet wird und vom Reichskriegsgericht wegen der Übersetzung eines Artikels, der für französische Zwangsarbeiter in der deutschen Rüstungsindustrie bestimmt war, zum Tode verurteilt wurde. Ihr wurde vom Gericht Verschlagenheit eine Katholikin attestiert, weil sie ihre Mitkämpfer nicht verraten hat. Am 5. April 1943 wurde sie in Plötzensee hingerichtet.

Zur Krippe geht auch Dr. Margarete Sommer (1893 – 1965), Sozialarbeiterin und Laiendominikanerin. Sie half verfolgten jüdischen Bürgern, bewahrte viele vor der Deportation in Vernichtungslager. Sie leitete das Hilfswerk im Bischöflichen Ordinariat und half jüdischen Mitbürgern bei der Ausreise ins Ausland. Nach 1945 wirkte Dr. Sommer bei der katholischen Frauenseelsorge und zählte zu den ersten Mitgliedern der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin. 2003 erhielt sie postum den Ehrentitel „Gerechte unter dne Völkern“.

Zur Krippe geht ebenso Rudolf Mandrella (1902 – 1943), ein deutscher Jurist, Katholik und Gegner des Nationalsozialismus. Um nicht zur Wehrmacht eingezogen zu werden, meldete er sich zur Marine mit Stationierungen in Kiel und Stettin. Dort nahm er Kontakt auf zu einem Kreis von Geistlichen, die dem NS-Regime ablehnend gegenüberstanden. Die Gruppe wurde verraten und deren Mitglieder, z. B. Herbert Simoleit, Dr. Carl Lamprecht und Pater Friedrich Lorenz, verhaftet. Das Reichskriegsgericht in Dessau Robert Mandrella am 12. Mai 1943 wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode. Hingerichtet wurde er am 3. September 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden.

Während des anschließenden Gottesdienstes mit Pfarrer Lutz Nehk konnten die Frauen über die Lebenswege nachdenken, die uns an der Krippe vorgestellt wurden.

Ausklingen durfte diese außerordentliche Feier bei Kaffee und Weihnachtsgebäck im Gemeindezentrum.

Berlin, 16. Januar 2020

Rosemarie Rietz

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