DIÖZESANVERBAND BERLIN

Gott ist über-All - Interreligiöser Dialog

Besuch der Ibn Rushd-Goethe Moschee

Die Frauen der kfd im Erzbistum Berlin betreten am Montagabend, 05.11, Neuland – sie besuchen eine Moschee. Und viele Frauen zeigen Interesse an diesem Ereignis. Es ist auch eine besondere Moschee, die unser Interesse erfährt – die am 16. Juni 2017 von der deutsch-türkischen Rechtsanwältin Seyran Ates gegründete liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Moabit, gelegen in einem Nebengebäude auf dem Gelände der St.-Johannis-Kirche.

Drei steile Treppen müssen die Frauen überwinden, bis sie den hellen Raum erreichen. Auf Strümpfen dürfen sie ihn näher betrachten. Große Fenster fallen auf, ein heller Teppich über den ganzen Raum, ein kleines Podest, bestückt mit bunten Kissen und keinerlei Bilder oder islamische Kalligraphien an den Wänden. Auf dem Teppich Platz zu nehmen, bleibt uns erspart. Es gibt Stühle, die wir zur Runde stellen, um Mohammed El-Kateb zu lauschen, der uns Wichtiges und für uns Neues über das Projekt einer liberalen Moschee näher bringen wird. Er wird im Schneidersitz auf dem Teppich Platz nehmen. Er ist Architekt, lebt seit 22 Jahren in Deutschland und ist mit einer Christin verheiratet.

Der Name der Moschee geht zurück auf Averroës Ibn Rushd, einen andalusischen Philosophen, Arzt und arabischsprachigen Schriftsteller aus dem 12. Jahrhundert. Er beschäftigte sich mit Aristoteles und steht am Anfang einer Bewegung, die als Aufklärung die europäische Geschichte prägen wird.

Die Moschee, in der Rechtsform einer GmbH gegründet, finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Es wird in deutscher Sprache gepredigt, es dürfen Männer und Frauen, Sunniten, Schiiten und Aleviten gemeinsam beten, keine Frau muss ein Kopftuch tragen, es werden homosexuelle Menschen akzeptiert und es dürfen sogar Imaminnen tätig werden. Es gilt der hoffnungsvolle Grundsatz: „Nur ein liberaler Islam ist zukunftsfähig“. Sie ist die einzige liberale Moschee in Deutschland. Ähnliche Einrichtungen gibt es Kapstadt, New York, Kopenhagen und Marseille.

Kein Wunder, dass die Kritik an dieser Moschee-Gemeinde nicht abnimmt.

Viele Fragen haben die Frauen der kfd, z. B. gibt es eine Leseordnung wie in der Liturgie der katholischen Kirche? Gibt es nicht! Werden Kontakte zu anderen Gemeinden gepflegt, z. B. der Jüdischen? Es werden! Worüber wird gepredigt? Die Themen sind frei, aber an den Koran angelehnt. Wie verläuft ein Freitagsgebet? Je ein Gebet in arabischer und deutscher Sprache, eine zwanzigminütige Predigt und eine offene Runde. Es wird nicht gesungen wie in den christlichen Kirchen.

Die Frauen sind sehr angetan von der Offenheit und bestaunen die Möglichkeiten des Miteinanders der verschiedenen Strömungen. Wir können uns noch sehr gut daran erinnern, dass vor nicht allzu langer Zeit katholische und evangelische Christen große Berührungsängste hatten.

Wir können nur hoffen, dass das Experiment dieser liberalen Moschee Früchte trägt, die verdienstvollen Anfänge in anderen muslimischen Gemeinden Anerkennung finden und zum Frieden unter den Menschen beitragen.

Berlin, 12. November 2018

Rosemarie Rietz

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