DIÖZESANVERBAND BERLIN

Besuch im Regenbogenfamilienzentrum

Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands im Erzbistum Berlin und des Regenbogenfamilienzentrums in Berlin-Schöneberg haben in der Regel nicht sehr viele Berührungspunkte. Damit sich dieses ändert, haben sich die kfd-Frauen an einem sonnigen Mittwoch, am 05.September, auf den Weg auf die Schöneberger Insel gemacht, um Näheres über Aufgaben und Ziele des Zentrums zu erfahren.

Die „Schöneberger oder Rote Insel“, ein Wohngebiet, begrenzt von drei S-Bahn-Linien, war in der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts ein Arbeiterviertel. Man mutete den Arbeitern die Quartiere zwischen den Bahntrassen mit ihrem Qualm der Loks zu. Die Bewohner der Insel wählten traditionell linke Parteien. Zeichen der Industrialisierung ist auch der jetzt stillgelegte Gasometer, von dem Günter Grass einst sagte: „In unserer Vorstadt sitzt eine Kröte auf dem Gasometer. Sie atmet ein und aus, damit wir kochen können“. Die erschließende Straße der Insel ist die Leberstraße, benannt nach Julius Leber, der sich mit seiner Frau in der Kohlenhandlung in der Torgauer Straße vor den Nazis versteckte. Die Straße trug früher den Namen „Sedanstraße“ und sollte an den Sieg über Frankreich 1871 erinnern. Sie sollte auch dem Naziwahn von Germania geopfert werden, denn sie wäre der berüchtigten Nord-Süd-Achse zum Opfer gefallen. Erinnern kann man sich heute auch an Marlene Dietrich, die in der Lebestraße 65 groß geworden ist und den liberalen Politiker Friedrich Naumann, der in der Naumannstraße 24 lebte.


Hier ist Schöneberg noch ursprünglich, das Flair vergangener Jahrhunderte spürbar und die Ruhe inmitten der Großstadt überraschend. Man ist stolz, Insulaner zu sein. Man pflegt den Zusammenhalt und lebt alternativ. In diesem Biotop hat der gemeinnützige Trägerverein Regenbogenfamilien e. V. 2013 seine Büro- und Beratungsräume eröffnet, um Regenbogenfamilien zielgerichteter zu unterstützen.

2001 wurde in Deutschland die Eingetragene Lebenspartnerschaft eingeführt und 2005 die sogenannte „Stiefkindadoption“. Das gesellschaftliche Klima hat sich für gleichgeschlechtliche Partnerschaften in den letzten Jahren sehr verändert und verbessert. Gleichgeschlechtliche Paare können seit Oktober 2017 heiraten bzw. ihre Eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln. Lesben und Schwule wollen als Familien mit Kindern leben und können dies auch. Sie können gemeinschaftlich ein Kind adoptieren oder in Pflege nehmen, aber auch den Wunsch nach einem leiblichen Kind verwirklichen.. Um ihre Ziele zu erreichen, nehmen sie gern die Beratung, und Unterstützung des Regenbogenfamilienzentrums in Anspruch. Das Regenbogenfamilienzentrum ist Anlaufstelle für lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Menschen mit Kindern. Es möchte „Schnittstelle der politischen und öffentlichen Aufmerksamkeit für dieses Thema sein“ (Constanze Körner im Tagesspiegel vom 13. März 2013). Das Regenbogenfamilienzentrum bietet Beratungen, Bildungs-, Gruppen- und Freizeitveranstaltungen an und ist ein Ort der Begegnung.

In den hellen und freundlichen Räumen der Beratungsstelle haben die Teilnehmerinnen des Nachmittags viel voneinander erfahren und gelernt und Vorbehalte, Voruteile bzw. Klischeedenken abgebaut.

Berlin, 9. September 2018

Rosemarie Rietz

Nah dran

Herbstbeilage der Diözesanverbände Berlin, Görlitz, Erfurt, Magdeburg, Dresden-Meißen zu "Frau und Mutter" Mitgliederzeitschrift der kfd

Frauen sind ein wesentlicher Teil der Kirche, Interview mit dem neuen Präses Michael Noack der kfd im Bistum Görlitz. 

Besuch der Stadtteilmütter in Neuköln: Berliner kfd-Frauen lernen im Rahmn ihres Jahresprogramms "Ungewöhnliche Orte" andere Lebensweisen kennen.

Anstehende Veranstaltungen

26.09.2019
DV Berlin, Klopstockstr. 31, 10557 Berlin
08.10.2019
DV Berlin, Lahnstr. 78, 12055 Berlin