DIÖZESANVERBAND BERLIN

kfd Krippenandacht in St.-Maria-Magdalena, Berlin-Niederschönhausen

14. Januar 2018

Seid vielen Jahren ist es eine gute Tradition, dass sich Frauen und Männer auf den Weg zu einer Krippe in einer Kirche Berlins machen. Diesmal führte uns am 8. Januar der Weg in den Norden Berlin. In Niederschönhausen befindet sich eine der schönsten Kirchen Berlins – St. Maria Magdalena.

Die Krippenandacht stand unter dem Thema: „Unter welchem Stern gehen wir ins neue Jahr?“ In der Krippenandacht betrachteten wir den biblischen Text der Weisen aus dem Morgenland, die einem Stern folgten. Es ist eine Geschichte, die von einer Glaubens- und Lebensreise erzählt. Und wir stellten uns die Fragen: Unter welchem Stern wandern wir in das neue Jahr? Auf welche Irrwege und Umwege geraten wir? Was für Gefahren lauern auf der Reise? Wer ist mit uns unterwegs: Echte Weggefährten oder solche, bei denen wir nicht wissen, was sie im Schilde führen?

Wir sind unbs bewusst, dass mit Weihnachten nicht alles Dunkel vertrieben ist. Die Geschichte von den Weisen macht klar, welche Schatten auf der Welt liegen und welche Erleuchtung sie braucht. In unser privates und in das gesellschaftliche, in das globale Dunkel hinein leuchtet Gottes Licht. Sein Stern geht vor uns her. Wenn wir weise sind, folgen wir ihm.

Nicht nur die Krippenandacht war ein guter Start in das neue Jahr, sondern auch die Erklärungen der Eigenheiten und Schönheit der Kirche St.-Maria-Magdalena, die uns der Pastoralhelfer, Herr Hellwig, erklärte beeindruckte die Teilnehmer_innen

Die Kirche, 1930 nach Plänen des Architekten Felix Sturm im Stil des Expressionismus erbaut, hat eine lange Vorgeschichte. Das Grundstück wurde schon 1907 für 30.000 Reichsmark erworben. Eine Tischlerwerkstatt auf dem Grundstück, umgebaut zur Notkapelle, sollte bis zum Bau der Kirche als Gottesdienstraum dienen.

Die Inflation und der Verlust der angesammelten Geldmittel zwingen die Gemeinde, für die dringend benötigte Kirche mit viel Fantasie Spenden zu sammeln, um den Baupreis von 156.000,00 Mark zu erreichen. Als Architekt konnte Felix Sturm, Bauhausschüler und Mitglied der Gemeinde, gewonnen werden und für die künstlerische Ausgestaltung der Bildhauer Paul Müller. Am 25. April 1929 konnte Pfarrer Oskar Feige von der Muttergemeinde St. Georg in Pankow den ersten Spatenstich vollziehen und am 1. Juni 1929 wird der Kaplan von St. Georg, Joseph Lenzel, zum Kuratus von Niederschönhausen ernannt.

Am 21. September 1930 ist der große Tag gekommen – die Kirche St. Maria Magdalena wird durch Christian Schreiber, den ersten Bischof des am 13. August 1930 gegründeten Bistums, geweiht, Kuratus Joseph Lenzel wird zu seinem ersten Pfarrer ernannt. Er feiert am 13. Juni 1940 sein silbernes Priesterjubiläum in und mit der Gemeinde.

Ebenfalls 1940 erfährt Pfarrer Lenzel, dass in seiner Nähe ein Lager für polnische Zwangsarbeiter besteht, die in einer Munitionsfabrik in Borsigwalde arbeiten müssen. Er erwirkt bei der Lagerleitung als auch bei den Beamten der Fabrik und dem Bischöflichen Ordinariat die Genehmigung, dass für diese Menschen in seiner Kirche Gottesdienste stattfinden können. Er wird angezeigt und erhält eine Vorladung ins Polizeipräsidium am Alexanderplatz.

Im Jahr 1941 vertraute Pfarrer Lenzel der Chronik der Gemeinde folgende Nachricht an: „Heute, am Feste der Hl. Familie erfahre ich, dass ein Mann in unserer Gemeinde, der mir übel will, Material gegen mich sammelt. Er wäre bald so weit, dass ich an die Mauer gestellt werden kann. [..] Herr, dein Wille geschehe! Nur eine Bitte habe ich: Lass mich sterben als Bekenner deines hl. Namens, schenke mir die Gnade des Martyriums!“ Der Name des Spitzels wurde ihm zwar nicht mitgeteilt, aber Pfarrer Lenzel schreibt, dass er ihn kenne und weiß, was er gegen „seinen Pfarrer plant. Er behauptet, ein 'Luisenapostel' zu sein, aber er ist ein Judas“.

Schließlich wurde Pfarrer Joseph Lenzel unter der Anschuldigung „Vergehen gegen das Heimtückegesetz“ am 7. Januar 1942 verhaftet. Er musste danach zunächst im Arbeitslager in der Wuhlheide selbst Zwangsarbeit leisten, die Nazis brachten ihn aber bald ins Konzentrationslager Dachau, wo die brutalen Methoden seine Gesundheit beeinträchtigten. Er starb dort kurz nach seiner Überführung am 3. Juli 1942. Die am 20.Juli 1942 durch das Standesamt Dachau II ausgestellte Sterbeurkunde enthält keine konkrete Todesursache.

Vor der Kirche steht seit 1980 ein Denkmal für Joseph Lenzel. Dieses löste eine bereits 1946 von der Organisation VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) am Gotteshaus angebrachte Gedenktafel ab.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche dank des beherzten Einsatzes von Pfarrer Joseph Juzek. Am 18. November 1943 trifft ein Brandsatz die Kirche, den der Pfarrer, eingewickelt in einen Teppich, ins Freie trägt und damit die Kirche vor größeren Schäden rettet.

Heute ist die Gemeinde wieder mit ihrer Muttergemeinde St. Georg in Pankow vereinigt.

Die Festschrift zum 75-jährigen Bestehen schreibt: „Inmitten der der durch Villen und Laubenkolonien geprägten Umgebung und den auch heute noch beinahe idyllisch anmutenden Einfamilienhäusern in der Platanenstraße ist vor 75 Jahren eine Kirche erbaut worden, die sich nachbarlich einfügt, aber darüber hinaus mit ihrem hoch aufregenden Turm auf das himmlische, das Göttliche hinweist… Der Übergang vom Profanen draußen in das Heilige im Inneren, dem geweihten Kirchenraum, wird mit allen Sinnen erfahrbar, gleichsam fühlbar….Das Besondere für den eintretenden Gläubigen in

St. Maria Magdalena ist, dass er ohne erklärende Hinweise von diesem Kirchenraum eingenommen wird.“ Wir Besucher der kfd können diesen Eindruck nur bestätigen.

Durch Frau Ehlert und ihre Helferinnen reich gedeckte Tische mit Kaffee und Kuchen im Lenzel-Heim runden den Nachmittag auf das Beste ab. Wir sind allen Helfern sehr dankbar für diesen wunderbaren Nachmittag.

Rosemarie Rietz

 

 

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