DIÖZESANVERBAND BERLIN

Tagesfahrt in das Oderbruch

Dicke schwarze Wolken am Himmel über Berlin erschweren das Aufstehen an diesem ersten Dienstag im August, den die Frauen der kfd im Erzbistum Berlin traditionell für ihren Tagesausflug nutzen. Irmgard Königstorfer hat das Oderbruch als Ziel ausgewählt und ein strammes Programm zusammengestellt.

48 Frauen und Männer treffen sich am Zentralen Omnibusbahnhof in der Hoffnung, dass uns der seit Tagen anhaltende Regen in Laufe des Tages verschonen möge. Unsere Hoffnung wird belohnt. Schon in Fürstenwalde, dem ersten Punkt unserer Reise, macht die Sonne zaghafte Versuche, durch die Wolken zu stoßen. Wir treffen hier die kfd-Frauen aus Frankfurt/Oder, um mit ihnen den St.-Marien-Dom, das Wahrzeichen der Stadt, zu besichtigen.

Der 1470 eingeweihte Dom wurde als spätgotische dreischiffige Chorumgangskirche erbaut. Die Patrone sind außer der Namensgeberin St. Maria noch Johannes der Täufer und die auf polnisch-piastische Gründungsgeschichte des Bistums verweisenden Heilige Hedwig von Schlesien und Adalbert von Gnesen. Die alte und wertvolle Ausstattung ging verloren, als der Dom samt dem Stadtzentrum bei den Kämpfen der Roten Armee um den Spreeübergang und dem Weg nach Berlin 1945 zu 85 Prozent zerstört wurde. Erhalten blieb die Sakristei aus dem 13./14. Jahrhundert und das schon 1942 eingemauerte Sakramentshaus.

Heute präsentiert sich der Dom als Gemeindezentrum. Die ehemalige Großkirche kann dank ihrer modernen und transparenten Einbauten für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt werden. Trotz des Verzichtes der Aufmauerung der zerstörten Pfeiler, Arkadenbögen und Gewölbe hat sie ihr Gesicht als Dom nicht verloren.

Nun fahren wir weiter, wirklich ins Oderbruch. Über Trebnitz, Wulkow, Neuhardenberg nach Kienitz, direkt an die Oder. Das ehemalige Fischerdorf im Schatten der Oder genießt den zweifelhaften Ruf, die erste deutsche Stadt gewesen zu sein, die im Frühjahr 1945 von der Roten Armee eingenommen wurde. Bei den Kämpfen mit der deutschen Wehrmacht wurde sie zum größten Teil zerstört. Ein Denkmal in Form eines T 34-Panzers erinnert an diese Zeit.

Unser Bus chauffiert uns zum Gasthof „Zum Hafen“ direkt hinter dem Deich am Oder-Neisse-Radweg. Im großen Saal genießen wir unser Mittagessen, machen noch einen Spaziergang auf dem Deich und sind schon wieder unterwegs – nach Letschin zum „Alten Fritz“. In dem Ort hat sich die Geschichte so richtig ausgetobt. Die Eltern Theodor Fontanes betrieben von 1838 – 1850 die Apotheke, worin er 1844/45 ein Praktikum absolvierte. Diese Zeit inspirierte ihn zur Kriminalnovelle „Unterm Birnbaum“. Die evangelische Kirche, 1812 ohne Turm erbaut, bekam diesen 1818/19 von Karl Friedrich Schinkel aufgesetzt. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche wurde 1972/73 abgerissen, nur der Turm blieb erhalten und wurde 2002/03 restauriert. Am Ende des Zweiten Weltkriegs schlugen die Rote Armee und die deutsche Wehrmacht hier ihre letzten Schlachten.

Größter Schatz ist aber Friedrich II., dem die Letschiner zum Dank für die Eindeichung des Oderbruchs 1905 ein Denkmal setzten. Während zahlreiche andere Denkmäler im sozialistischen Bildersturm nach 1945 eingeschmolzen wurden, steht Letschins Fritz seit 1990 wieder aufrecht.

1945 - 1986 verschwand Friedrich in einer Scheune hinter Gurkenfässern, aus der die Letschiner ihn eines Nachts befreiten und illegal wieder aufstellten. Die DDR-Organe ließen sich nach mehreren Nachtaktionen erweichen ihn zu restaurieren, die Zeiten hatten sich geändert und die Preußen waren im Sozialismus wieder angesehen. 1990 fand der Alte Fritz in einer Feier endgültig seinen Platz in Letschin, zur Freude seiner vielen Besucher.

Weiter geht es, das Programm muss abgearbeitet werden. Nächstes Ziel ist die Kirche Heilig Kreuz in Frankfurt/Oder. Im Pfarrsaal empfangen uns die Frauen der Gemeinde mit liebevoll gedeckten Tischen und Kaffee und Kuchen. Wir lassen es uns munden, um nach kurzer Zeit zum letzten Punkt unserer Tagesfahrt aufzubrechen: zur neugotischen St.-Gertraud-Kirche. Die 1878 erbaute Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, 1949 provisorisch wieder instand gesetzt, 1975 fusionierten die Gemeinden St. Marien und St. Gertraud. In Höhe der Emporen wurde 1980 eine Zwischendecke eingezogen, im unteren Geschoss entstanden Gemeinde- und Büroräume, im oberen Geschoss der Kirchenraum. Dieser beherbergt heute einige mittelalterliche Kunstschätze wie den Hochaltar, eine Bronzetaufe, einen siebenarmigen Leuchter und viele Epitaphien. Vieles zu sehen für unsere müden Augen, aber wir genießen alles.

Auf der Rückfahrt gibt es viel zu erzählen, bevor wir bei strahlendem Sonnenschein gesund und munter wieder in Berlin landen.

Berlin, 5. August 2017

Rosemarie Rietz

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