DIÖZESANVERBAND BERLIN

Die Verlorenen willst du sammeln

Ökumenischer Kreuzweg-Kirchgang / 10. April 2017

Unter dem Motto „ Die Verlorenen willst du sammeln“ fand der diesjährige Kreuzweg-Kirchgang der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands im Erzbistum Berlin statt. Er führte die Teilnehmer_innen von der Dahlemer Dorfkirche St. Annen über das ehemalige Ritter- und Stadtgut auf der Domäne Dahlem zur St.-Bernhard-Kirche in Dahlem.

An einem sonnigen aber windigen Nachmittag in der Karwoche versammelten sich Frauen und Männer in dem ältesten Gebäude Dahlems, der Dorfkirche, 1913 benannt nach Anna, der Mutter Marias. In dieser Kirche verbinden sich 700 Jahre Dorf- und Stadtgeschichte mit der jüngeren Zeitgeschichte. Sie wurde um 1300 aus behauenen Feldsteinen errichtet, brannte während des Dreißigjährigen Krieges nieder und konnte um 1679 in bäuerlicher Spätrenaissance wieder errichtet werden, so wie sie sich auch heute noch präsentiert. Der Zweite Weltkrieg ging auch an ihr nicht spurlos vorüber. Schon 1945 konnte mit den Rekonstruktionsarbeiten begonnen werden. An Kunstwerken birgt sie ein „Triptychon für Auschwitz“, eine 1983 angebrachte moderne Kreuzigungsplastik, die in der Kaiser-Wilhelms-Gedächtniskirche keine Verwendung fand, einen Altarschrein mit drei Apostel- und einer Heiligenfigur, bunten Glasfenstern in der Südwand, einem kunstgeschmiedeten Kronleuchter, einer geschnitzten Taufe und einer Orgel, die 1974 aufgestellt wurde. In den Jahren 1933 bis 1945 war die Kirche ein Ort der Bekennenden Kirche. Nach der Verhaftung von Pfarrer Martin Niemöllers im Jahr 1937 versammelte sich die Gemeinde jeden Abend zu Fürbittgebeten für alle Gefangenen.

Die Pfarrerin der Gemeinde Cornelia Kulawik und Angelika Plümpe, die geistliche Begleiterin der kfd, konnten 100 Frauen und Männer in der kleinen Kirche zu einer Andacht begrüßen, die von Frauen der Gemeinde Dahlem gestaltet wurde. Mittelpunkt war die Darstellung des Lebenslaufs von Gertraud Staeven, die sich für Verfolgte in den schweren Jahren der Nazizeit und danach eingesetzt hat. Alle legten an ihrem Grab neben der Kirche Blumen nieder.

Anschließend versammelten sich alle hinter dem schlichten Holzkreuz um auf dem Weg zur Domäne schweigend zu bedenken: Welche „Verlorenen“ kenne ich in meinem Umfeld? Um welche „Verlorenen“ habe ich mich gekümmert? Wer hat sich um mich gekümmert, als ich mich „verloren“ fühlte?

Hinter dem Kreuz über die Königin-Luise-Straße pilgernd, erreichten wir die moderne St. Bernhard-Kirche. Im Äußeren besticht die 1932-1934 im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ von Wilhelm Fahlbusch erbaute Kirche durch klare Formen und im Inneren durch einen lichtdurchfluteten Raum. Frau Fischer machte uns mit den wichtigsten Merkmalen der Kirche vertraut und berichtete, dass die Gemeinde St. Bernhard einst aus der Steglitzer Rosenkranzkirche ausgegliedert wurde und seit 2010 wieder mit ihr fusioniert ist.

Anne Borucki-Voss machte uns in einer Lesung aus dem Johannes-Evangelium vertraut: Beim Kreuz Jesu standen aber seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Tochter des Klopas, und Maria aus Magdala. Da sah Jesus seine Mutter und den „Jünger“, den er liebte, dastehen und sagte zu seiner Mutter: „Frau, hier ist dein „Sohn“. Dann sagte er zum Jünger: „Hier ist deine Mutter“. Von der Zeit an nahm der Jünger sie zu sich“.

Gebet und Segen beendeten die Andacht. An der Kirchentür wurde um eine Spende für das Projekt „Welcome-Baby-Bags – Grundausstattung für geflüchtete Frauen und ihre Neugeborenen“ von Evas Arche gebeten. Über 500,00 € spendeten die Teilnehmer_innen des Kreuzweg-Kirchganges.

Im Anschluss trafen sich die Teilnehmer_innen noch im Pfarrsaal der Gemeinde St. Bernhard zu Tee und Schmalzbroten und zur Begegnung.

Berlin, 15. April 2017

Rosemarie Rietz

Nah dran

Herbstbeilage der Diözesanverbände Berlin, Görlitz, Erfurt, Magdeburg, Dresden-Meißen zu "Frau und Mutter" Mitgliederzeitschrift der kfd

Frauen sind ein wesentlicher Teil der Kirche, Interview mit dem neuen Präses Michael Noack der kfd im Bistum Görlitz. 

Besuch der Stadtteilmütter in Neuköln: Berliner kfd-Frauen lernen im Rahmn ihres Jahresprogramms "Ungewöhnliche Orte" andere Lebensweisen kennen.

Anstehende Veranstaltungen

26.09.2019
DV Berlin, Klopstockstr. 31, 10557 Berlin
08.10.2019
DV Berlin, Lahnstr. 78, 12055 Berlin