DIÖZESANVERBAND BERLIN

Die kfd im Erzbistum Berlin wird 55 Jahre alt

Der 27. September 1960 gilt als Gründungsdatum der Katholischen Frauengemeinschaft im Erzbistum Berlin. Doch die Geschichte der kfd beginnt nicht mit diesem Datum. Sie ist wie ein Anfang im neuen Gewand.

Zu Beginn der „organisierten“ Frauenarbeit in der Delegatur Berlin und Pommern, zugehörig zum Erzbistum Breslau, standen die Müttervereine. Frauen und Mütter organisierten sich in den Pfarreien zu festen Gemeinschaften. Standespredigten, Andachten und monatliche Gottesdienste gehörten zu ihren Programmen, aber auch Kaffeestunden und Ausflüge. In einer ihrer Satzungen von 1927 steht die Frage, was der katholische Frauen- und Mütterverein sei. Die Antwort: „Er ist eine von der Kirche bestätigte mit vielen Gnadenvorrechten ausgestattete Vereinigung, in welcher katholische Frauen aller Stände sich unter dem Schutze der unbefleckten Jungfrau und schmerzensreichen Gottesmutter Maria zusammenschließen zur Pflege eines echt christlichen Frauen- und Familienlebens und besonders einer christlichen Kindererziehung…“. Über diese Form der Vereinigung von Frauen in den Pfarreien hinaus gab es keine eigenständige Frauenseelsorge. Und die Arbeit in den Pfarreien unterstand dem jeweiligen Pfarrer. Übergeordnet wurde 1928 in Köln der „Zentralverband der katholischen Frauen- und Müttervereine“ ins Leben gerufen, dem sich auch die Berliner Vereine anschlossen. 1938/39 wurde diese organisierte Frauenverbandsarbeit von den Nationalsozialisten verboten.

Die verbandliche Frauenarbeit war gezwungen, sich auf den kirchlichen Raum zurückzuziehen. Dr. Margarete Sommer, von Bischof Konrad von Preysing zur Sachbearbeiterin für Frauenseelsorge ernannt, stellte Überlegungen an, in welcher Form die Arbeit der Frauen- und Müttervereine weitergeführt werden konnte und schlug dem Bischöflichen Ordinariat eine „Familienseelsorge“ vor, die auch eine spezielle „Frauenseelsorge“ beinhalten sollte.

Nach 1945 begann ein Streit über den Neubeginn der kirchlichen Arbeit. Die Mehrheit der Bischöfe und viele Priester wollten die Verbandsarbeit nicht wieder aufleben lassen, die Gemeindearbeit unter „Aufsicht“ der Pfarrer sollte aktiviert werden und es sollten neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Laien und Priestern gefunden werden. Es fanden sich aber auch Befürworter eines Auflebens der Verbandsarbeit.

Zu ihnen gehörte Pfarrer Georg Meißner, Leiter des Referates „Seelsorge“ im Bischöflichen Ordinariat. Er lud am 2. März 1953 die Leiterinnen der einzelnen Pfarrfrauengemeinschaften zu einem Meinungsaustausch ein, um für die Zukunft die Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch auszuloten. In der Folge wurde am 11. Oktober 1954 durch Bischof Wilhelm Weskamm im Rahmen einer Feierstunde am Fest der Mutterschaft Mariens den Westberliner Pfarr-, Frauen- und Müttergemeinschaften bestätigt, dass die eine „Diözesangemeinschaft“ seien. 1957 erhielt die Gemeinschaft den offiziellen Namen „Diözesanverband der Pfarr-, Frauen- und Müttergemeinschaften Berlin“. Ein vorläufiger Führungskreis wird gebildet.

1960, am 27 September findet die erste ordentliche Versammlung dieses Diözesanverbandes statt, die sich einen Vorstand von drei Frauen wählt: Gertrud Borgolte, Elisabeth Jung und Madelaine Patt. Diözesanreferentin wird Hedwig Meyer, Diözesanpräses Pfarrer Franz Helwig. Der Anfang ist gemacht!!!

Hedwig Meyer ist ein Glücksfall für die Frauen der kfd im Bistum Berlin, wie sich der Diözesanverband seit 1968 nennt. Vor dem Hintergrund der kirchlichen „Basisarbeit“ setzt sie sich in regelmäßigen Treffen mit anderen Referentinnen für eine neue Sicht der Rolle der Frau in der Kirche ein, um dazu beizutragen, das gesellschaftliche und kirchliche Rollenbild der Frau weiterzuentwickeln und zu verändern. Einmal mehr ist sie Mittlerin zwischen Amtskirche und „ihren Frauen“ an der Basis. Mit ihrem Charme, vor allem jedoch mit ihrer Kompetenz und ihrem Durchsetzungsvermögen hat sie dafür gesorgt, dass Frauen im kirchlichen Leben wahrgenommen werden und eine Plattform finden.

Ihre Nachfolgerin Helga Wiese, sie ist Leiterin der Frauenseelsorge im Bischöflichen Ordinariat seit 1975, gründet 1977 den „Kreis delegierter Frauen“, der als Verbindungsglied zwischen der Arbeit der Frauen vor Ort in den Gemeinden und der diözesanen Frauenarbeit gedacht war. Für diese Vernetzung wirbt sie bei Pfarrern, Frauen in diesen Kreis zu delegieren, um kommunikativ zu arbeiten zwischen Frauen- und Elterngruppen in den Pfarreien.

Im Amt der Leiterin der Frauenseelsorge, und damit als Diözesanreferentin der kfd, folgen ihnen Dr. Adelheid Haller, Annette Westermann, Astrid Hermann, Sabine Friedrich und Gabriele Kraatz.

Die kfd im Westen der Stadt Berlin kann eine Zahl von verdienstvollen Vorsitzenden aufweisen. Auf Gertrud Borgolte folgen 1966 Maria Wenzel, 1968 Gerda Steiner, 1975 Ursula Kraemer, 1983 Ursel Wenzel, 1995 Gertraud Tochtermann, 1999 Marianne Arndt, 2007 Gerlinde Maus und ab 2011 Angelika Streich.

Mit zeitweise 1300 Mitgliedern gehört die kfd im westlichen Teil Berlins zu den großen Frauenverbänden. Verheiratete, Alleinstehende, Erwerbstätige und Hausfrauen arbeiten zusammen und finden Partnerschaft und Solidarität. Sie will die Frauen ermutigen und befähigen, ihren Glauben aus den Kirchentüren hinauszutragen in die Öffentlichkeit und sich den Fragen derer zu stellen, die mit Kirche scheinbar nichts mehr zu tun haben wollen. Schwerpunkte der Arbeit sind Information und Bildung, Sie bemüht sich um gute Zusammenarbeit mit anderen Gemeinschaften und Gruppierungen in Kirche und Staat. Dieses umfangreiche Programm wird bewältigt allein durch die ehrenamtliche Mitarbeit der Frauen.

Der Fall der Mauer brachte große Veränderungen mit sich. Die Frauen im östlichen Teil des Bistums Berlin konnten mit ihren Frauengruppen aus den Gemeinden heraustreten. Vorbereitende Gespräche in Genthin und Magdeburg führten am 11. September 1990 zur Gründung der kfd auf dem Gebiet der ehemaligen DDR unter Vorsitz von Eva-Maria Schlosser und am 19. November 1994 zur Vereinigung der östlichen und westlichen Gruppen zur kfd im Bistum Berlin – ganz Berlin mit Brandenburg und Vorpommern. Gleichberechtigte Vorsitzende wurde Christa Scholz.

Heute residiert die kfd im Erzbistum Berlin im Bezirk Tiergarten am Hansaplatz in den Räumen der St.-Ansgar-Kirche, gut erreichbar mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln. Ihr Programm ist nicht mehr so umfangreich wie in früheren Jahren, aber immer noch so ambitioniert wie in früheren Jahren. An den Ziele, Frauen zu befähigen, ihre Charismen zu erkennen, um sie in Kirche und Gesellschaft einzusetzen, hat sich nichts geändert.

Rosemarie Rietz

Berlin, 12. Oktober 2015

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